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Konstitutionsbestimmung

 

„Ich – der Mensch – der Kosmos.

Oder: Über den Kosmos zu den Menschen und dem Individuum“

 

Der Mensch, der auf dieser Erde lebt, steht in dauerndem Bezug zu seiner Umwelt: Familie, Ehepartner, Wohnort, Region, Rechtsordnung, Finanzwesen des Landes, in dem er lebt. Irgendwie erkennt er sich in allem wieder nachdem er erkennt: Ich bin da, also ist die Welt da. Diese Beziehung zu pflegen, bedarf es einer guten Gesundheit, denn nach dem Tod sind alle diese Bezugspunkte nicht mehr vorhanden. Wie wichtig ist also unsere Gesundheit, sie ist gar das Wichtigste! Sich regelmäßig fürsorglich in seiner Ganzheit – Körper, Geist uns Seele – zu pflegen ist Grundvoraussetzung dafür, nicht krank zu werden, in ungestörter Beziehung zu seiner Welt zu sein.

Auch wenn wir schließlich doch irgendwann sterben werden, ist es wichtig für uns, so lange wie möglich gesund und vital zu bleiben. Ein ‚Geheimrezept“ hierfür ist, seine Konstitution zu erkennen und ihr entsprechend zu leben, Maß zu halten, wie es den vorgegebenen körperlichen und seelischen Eigenschaften entspricht.

Wenn die meisten Menschen auch möglichst lange und gesund leben wollen, kümmern sich doch recht wenige darum, die Gesundheit zu erhalten und so ein hohes Alter zu erreichen. Das Auto wird da oft besser gepflegt und dem Serviceplan entsprechend gewartet als eigener Körper und Geist. Vorsorgeuntersuchungen, sei es bei Arzt oder beim Alternativmediziner, helfen, die Gesundheit zu festigen. Doch was ist uns oft alles wichtiger als Wohlergehen von Körper und Geist… Und wenn eine Krankheit erst einmal ausgebrochen ist, ist es für vieles eigentlich schon zu spät.

Eine Krankheit, oft auch ein plötzlicher Unfall, hat eine Vorgeschichte: Mangelhafte Fürsorge für Körper, Geist und Herz. In solchem Ereignis summieren sich die Folgen von falscher Ernährung, falschem Trinken, schädlichen Körperhaltungen, fehlender Bewegung, schädlichen Gedanken – auch die können Leid bringen. Wenn ich also meine Aufmerksamkeit nur auf Äußeres richte, ich das Zentrum meines Kosmos, nämlich meine Gesundheit, vernachlässige, werde ich krank.

In der aufgeklärten westlichen Gesellschaft ist ein fataler Weg zu beobachten, wenn es bei jemand ernsthaft leidend geworden ist: Dann ganz schnell zum Arzt oder gleich ins Krankenhaus mit der Forderung, schnell geheilt zu werden. Und weil nun eine so komplizierte Abfolge von Diagnostik und Therapie beginnt die man eh nicht versteht, lässt man jetzt erst recht seine Verantwortung draußen, die man auch vorher nicht wahrgenommen hatte: Die für den Erhalt seiner Gesundheit und auch die für den Entstehungsprozess seiner Erkrankung. Diese Verantwortung nicht zu sehen steht aber dem Wunsch entgegen, schnell wieder gesund zu werden! Stress aus dem Groll auf Vergangenes, Verpasstes, bestimmte Umstände oder schuldhaftes Handeln von mir selbst oder anderen Menschen bedeutet weitere Schwächung. Entwickle ich auch hier eine achtsame Haltung mir selbst gegenüber, erkenne so meinen Anteil in diesem Prozess meiner Krankheit, kann ein wesentlicher Teil der Heilung beginnen.

 

„Maßnahmen zur Heilung“

 

Es ist meiner Meinung nach die wirkliche Rolle des Arztes, seine Patientinnen und Patienten in der Pflege der Gesundheit zu unterweisen und das auch zu kontrollieren. Er ist also kein Heiler im eigentlichen Sinn sondern professioneller Berater für eine jeweilige Fragestellung oder Situation. Der gute Arzt behandelt seine Patienten mit der gleichen Verantwortung und dem gleichen Mitgefühl, wie er auch seine Liebsten und sich selbst behandeln würde. Der Schmerz, die Angst, die Not seiner Patienten werden seine und aus dieser Achtsamkeit ergeben sich die Wege zu Diagnose und Behandlung. Die Heilung wird unterstützt durch speziell auf die verschiedenen Konstitutionstypen abgestimmte Ernährung, angemessene Bewegung und Atemtechnik.
Die genannten Punkte betrachte ich als Ausdruck einer vollendeten Gesundheitslehre, die Krankheiten heilen kann, aber auch über diese Zeit hinaus Täglicher Beachtung bedarf, um die gegebene Lebenszeit vital zu erleben, eigenständig zu bleiben und nicht vorzeitig dem Verfall körperlicher und geistiger Fähigkeiten anheim zu fallen.

Aus der Klassifikation der verschiedenen Konstitutionstypen in der traditionellen Koreanischen Medizin, der ich mich jetzt zuwenden möchte, ergibt sich hilfreiches Wissen für Vorbeugung und Heilung. Ganz wichtig ist es mir auch darauf hin zu weisen , wie gute angepasste Ernährung die verschiedenen Konstitutionstypen in Prävention und Genesung unterstützt. Die ostasiatische Philosophie erklärt den Kosmos, die Planeten, deren Umlaufbahnen und Gesetzmäßigkeiten eigentlich – alles – mit den Lehren von Um(Yin) und Yang sowie der von den fünf Elementen (Metall, Holz , Wasser, Feuer und Erde). Ebenso finden diese Lehren in Ostasien in der Gesundheits-Lehre und für das Leben allgemein Anwendung (Feng Shui).

Viele Begriffen wie Um(Yin) und Yang, Taegug und Mugug sind mittlerweile auch in Europa bekannt. Trotzdem möchte ich gerne auf diese Ausdrücke und ihre Zusammenhänge noch einmal eingehen und versuchen, sie zu erklären.

Taegug – ‚das absolute Nichts und doch der höchste Grund des Seins, die große grenzenlose Grenze“ hat in allen Lebensbereichen in Ostasien eine schicksalsbestimmenden Funktion. Sie gilt in Politik, Wirtschaft, Kultur wie Architektur, Mode, bildende Kunst, Mode, Musik und auch in den Naturwissenschaften. Ebenso gilt Taegug im Sport, bei einer Geburt, im Heranwachsen, beim Tod, für den Beerdigungsort und über den Tod hinaus.

Mugug hat die Bedeutung von Grenzenlosigkeit. Kein Ende. Etwas, das sich ungehindert über alle Grenzen hinaus fortsetzt. Diese Unendlichkeit enthält zugleich alles , was existiert, also auch Grenzen.

Taegug existiert also innerhalb einer Begrenzung als verborgene Grenze und kann nur in seiner Individualität als Taegug bestehen. So ist die Wirkung von Taegug nur im Bereich von Mugug möglich, weil etwas Begrenztes nur innerhalb einer Unbegrenztheit sein kann. Wenn Mugug dem Kosmos entspricht, ist Taegug als Himmel und Erde zu verstehen.

 

konsti

 

Um in meinen Erklärungen fort zu fahren, komme ich nun zu den fünf Elementen: Metall, Holz, Wasser, Feuer und Erde sowie den sechs Energien: Wind, kalt, heiß, feucht, trocken und Feuer.

Die verschiedenen Elemente mit den unterschiedlichen Energien zu kombinieren ergibt schon vierzig Unterteilungen zur Festlegung einer individuellen Konstitution. Um und Yang mit den Elementen zu verbinden, die hier auch zweifach verwendet werden, ergeben fünfzig mögliche Konstitutions-Bestimmungen. Ebenfalls werden noch Stunde, Tag, Monat und Jahr der Geburt mit einbezogen…

Es ergeben sich, wie Sie sehen, (für Europäer verwirrend) mannigfaltige Methoden, die festgelegten Eigenschaften eines Menschen, seine Konstitution zu bestimmen.

In Korea werden zur Festlegung eines Konstitutionstyps – noch vor Diagnostik und Therapie die oben gezeigten vier und acht – Bilder benützt. Diese Arbeit ist nicht einfach! Und selbst Fachleute, die schon lange Erfahrung damit haben, müssen sehr sorgfältig sein mit ihren Festlegungen, da sich leicht Fehler einschleichen können – mit fatalen Auswirkungen für die Patienten. Ein seriöser Arzt bedient sich gleich mehrerer Methoden, um sicher zu gehen. Denn durch die Festlegung auf einen falschen Konstitutionstyp kann mehr Schaden als Nutzen entstehen.

 

„Alle Heilmethoden sollten zusammen kommen“

 

Unlängst sagte jemand zu mir: ‚Ich war im Krankenhaus, weil ich Krebs habe. Aber dort kann man nichts mehr für mich tun“. Oder: ‚Über zwanzig Jahre habe ich Probleme mit der Verdauung und niemand findet die Ursache“. Oder: ‚So lange habe ich schon Magenprobleme, aber die Ärzte sagen, dass mein Magen in Ordnung ist“.
Derartige Aussagen zeigen oft die Grenzen westlicher Schulmedizin auf. Kein krankhafter Organbefund – keine oder nur unzureichende Erklärung und Diagnose. Mediziner und Heiler haben aber keine wichtigere Aufgabe, als dem Patienten Schmerzen zu nehmen und die Heilung zu unterstützen. Welche Schule oder Methode dafür zu Rate gezogen wird, ist mit letztlich egal. Wichtig ist doch das Ergebnis! Eine weitere Begrenzung für Ärzte ist ihre Abhängigkeit von Apparaten und Maschinen bei der Diagnostik, die oft Zeit kosten, teuer sind und meiner Meinung nachetwas ganz Wichtiges nebensächlich werden lassen: Die Intuition des Arztes.

So wandern viele Kranke von Praxis zu Praxis, von Klinik zu Klinik und finden doch keine Linderung. Wenn die Schulmedizin am Ende des Lateins angelangt ist, viel Geld verbraucht und die Krankheit doch nicht gebessert war, kommen manche von ihnen dann in meine Praxis. Sie sagen, dass nichts und niemand ihnen geholfen habe, auch die Alternativmedizin nicht. Jeder von uns möchte gesund und vital leben, auch wenn jeder Mensch in seinem Schicksal höchst individuell ist. Schon das rechtfertigt es, gegebenenfalls andere Methoden zu versuchen, wenn bisher nicht geholfen werden konnte, auch wenn mir bewusst ist, dass manches Verfahren auch sein Defizit hat. Weshalb aber den anderen Weg von vornherein ablehnen?

Für mich ist es das Beste, alle guten Arbeitsweisen zum Wohle der Kranken zusammen zu bringen und sich intensiver der Frage zu stellen, die ich hier im Westen so oft vermisse: Warum wurde dieser Mensch eigentlich krank?

 

„Die Notwendigkeit der Bestimmung der Konstitution“

 

Wir haben alle schon davon gehört, dass manche Menschen bestimmte Nahrungsmittel nicht vertragen, davon gar krank wurden. Bei manschen löst Milch Durchfall oder Kopfschmerzen aus, andere vertragen kein Weißmehl und bekommen Atemnot. Hühnerfleisch kann Hautausschläge verursachen, Erdnüsse zu essen saures Aufstoßen.

Es gibt auch Vorlieben wie im Sommer warmes Wasser zu trinken oder im Winter kaltes. Jeder Trunk, jede Speise wirken auf jeden Organismus höchst unterschiedlich. Das eine Gericht kann für einen Menschen bekömmlich sein während es der Gesundheit eines anderen schadet. Weiter gibt es in der Gesundheitspflege Vorlieben: Bewegung (Laufen, Schwimmen, Radfahren, Bergsteigen), kalt oder heiß zu duschen, in die Sauna oder das Thermalbad zu gehen. Manchem tut es gut, anderen gar nicht. Woher kommt das? Wenn Sie in ein altes Koreanisches Medizinbuch schauen, könne Sie dort lesen: Die gleiche Krankheit braucht in Abhängigkeit vom erkrankten Individuum ein anderes Rezept. Oder aber auch: Die Krankheit ist eine andere, aber die Vorgehensweise ist gleich.

Hier ein Beispiel. Ein alter Patient hat nachts sehr geschwitzt und musste die Kleidung mehrfach wechseln. Die Behandlungsanweisung für Männer kann sich in diesem Fall sehr von der für Frauen unterscheiden. Kleine Kinder werden anders behandelt als alte Menschen. Die gleiche Krankheit braucht für magere, normalgewichtige oder dicke Patienten eine andere Therapie. Jeder Fall muss also ganz persönlich betrachtet werden – der unterschiedlichen Konstitution eines Menschen wegen!

Würden wir uns unserer Konstitution, unserem Körpergefüge entsprechend ernähren, entsprechend leben, hätten viele Krankheiten gar keine Chance, zu entstehen. Für jeden Persönlichkeitstypen gibt es passende Speisen, Medikamente, Sportarten und vieles mehr.